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Samstagvormittag, 11 Uhr, auf dem Sportplatz des Ammersee-Gymnasiums in Dießen: Wie ein Massenchor lösen die Funkmeldeempfänger der rund 100 Feuerwehrleute aus. Es ist der symbolische Startschuss für eine der größten Einsatzübungen, die je im Landkreis Landsberg stattgefunden haben. 

Feuerwehr, Polizei, Technisches Hilfswerk, Wasserwacht und das Augsburger Helikopterunternehmen Heliseven proben den Ernstfall und üben gemeinsam die Waldbrandbekämpfung. Während drei Hubschrauber von der Luft aus unterstützen, sind auch am Boden etliche Einsatzkräfte beschäftigt.

Wenige Minuten nach dem Startschuss hebt die erste Maschine der Polizeihubschrauberstaffel Bayern ab. Es ist ein Erkundungsflug. Zum einen wird der Ammersee im Bereich St. Alban überflogen. Denn dort werden die Maschinen immer wieder ihre Außenlastbehälter mit Wasser füllen, um damit zur angenommenen Brandstelle zu fliegen. Die liegt rund zwei Kilometer westlich im Bereich Romenthal. Zwei große, rote Planen im Wald stellen das Feuer dar. Die Piloten sollen später von der Luft aus das Löschwasser in diesem Bereich ablassen.

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Aber vorher heißt es erst einmal das Material zur Waldbrandbekämpfung in das unwegsame Gelände bringen. Das übernehmen die Helikopter vom Sportplatz aus. Sie sind angewiesen auf die Arbeit der Flughelferstaffel der Freiwilligen Feuerwehr München. Sie rekrutiert sich aus Fachpersonal, das sich mit der Luftfahrt gut auskennt. Die rund 20 Flughelfer unter dem Kommando von Dr. Martin Schmid verlasten Personal und Material zur Waldbrandbekämpfung in unwegsamem Gelände und unterstützen die Hubschrauberbesatzungen. Zunächst werden dicke Boxen in Netzen an die Lastenseile gehängt, die unter den Helikoptern baumeln. Schon jetzt leisten die Piloten zentimetergenaue Arbeit, als die Maschinen in wenigen Metern Höhe über den Köpfen der Helfer schweben. Später hängen sie die Außenlastbehälter für das Löschwasser ein.

Wie wahrscheinlich sind Wald- und Flächenbrände in der Region? Beispielsweise 2014 geriet ein Räumfeuer von Naturschützern an der Ammer bei Fischen außer Kontrolle. Wegen der Kosten für den Großeinsatz wurde sogar vor Gericht verhandelt. „Wir haben seit diesem Flächenbrand immer wieder überlegt, eine große Waldbrandübung durchzuführen“, so Florian König. Der Kommandant der Feuerwehr Dießen fand mit seinem aktiven Kameraden Andreas Schumann, der hauptberuflich in Führungsposition bei der Berufsfeuerwehr München arbeitet, schnell einen Übungskoordinator mit entsprechenden Kontakten zu anderen Hilfs- und Rettungsorganisationen. Denn nicht nur sämtliche Feuerwehren aus dem Gemeindebereich Dießen, sondern auch die Fachgruppe Wassergefahren des Technischen Hilfswerks (THW) München und die Wasserwacht Dießen nehmen an der Übung teil. Das THW hat in den Tagen zuvor ein fahrbares Ponton auf dem Ammersee installiert. Einer der Polizeipiloten beweist im Laufe der Übung sein Können und landet auf der schmalen Fläche.

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Motorboote von Feuerwehr und Wasserwacht sichern einen Korridor vor St. Alban ab und hindern Segelboote an der Einfahrt. Dort tanken die drei Helikopter – zwei von der Polizei und einer des Augsburger Unternehmens Heliseven – immer wieder die Behälter zur Brandbekämpfung auf. Während des Überflugs in Richtung Romenthal hält die Polizei Dießen den Verkehr auf der Staatsstraße kurzzeitig an. „Das hat immer nur ganz kurz gedauert“, so Boris Netschajew, der stellvertretende Dießener Polizeichef. Die Helikopter fliegen binnen drei Stunden unzählige Schleifen und tanken auch immer wieder am ASG-Sportplatz auf – sie verbrauchen pro Stunde rund 250 Liter Kerosin. In der Einsatzleitung behält Zugführer Benno Dierkes alle Fäden in der Hand und koordiniert die einzelnen Abschnitte der Luft- und Bodenkräfte. „Es ist alles gut gelaufen, ein kleines Problem mussten wir lösen“, sagt er nach der Übung. Denn im Waldbrandgebiet wurden zwei Spaziergänger entdeckt und in Sicherheit gebracht. Auch auf dem Wasser gab es einiges zu tun: „Wir mussten eine Segelregatta verlegen. Aber die Segler waren kooperativ“, so Thomas Forstner von der Wasserwacht. Und auch das fliegende Personal kann am Ende ein positives Fazit ziehen. „Die Abstimmung mit den einzelnen Kräften und dem Bodenpersonal ist sehr wichtig. Es war eine gelungene Übung“, sagt Martin Sacher von der Polizeihubschrauberstaffel und Florian Klinner von Heliseven fügt an: „Wenn das heute ein Ernstfall gewesen wäre, hätten wir das sehr gut hinbekommen.“

Und auch die Übungsleiter sind äußerst zufrieden. „Es war ein voller Erfolg, obwohl die Koordination anspruchsvoll ist“, so Kommandant Florian König und Andreas Schumann meint: „Es war sehr interessant, die Flughelferstaffel vor Ort zu haben. Im Ernstfall dauert es eine Stunde, bis sie aus München da ist.“

Text: Dominic Wimmer/Landsberger Tagblatt

Mehr Impressionen von der Übung gibt es hier